Wie nachhaltig ist Ananasleder wirklich?
Die Modeindustrie erlebt eine grüne Revolution und ein neuer Star steigt am Horizont auf – Piñatex, das Ananasleder. Was steckt genau dahinter?
Die Suche nach umweltfreundlichen Alternativen zu Leder hat einen überraschenden Kandidaten hervorgebracht: die Ananas – genauer gesagt, ihre Blätter. Piñatex ist ein Material aus Ananasblättern, das als lederähnliches Produkt vermarktet wird und sich bei Designern zunehmender Beliebtheit erfreut.
Anfänge von Piñatex
Piñatex wurde von Carmen Hijosa entwickelt, einer ehemaligen Beraterin in der Ledermodebranche. Nachdem sie die erschreckenden Arbeitsbedingungen in den Gerbereien auf den Philippinen erlebt hatte, suchte sie nach alternativen Materialien.
Inspiriert durch die Verwendung von Piña – einem traditionellen Stoff aus gewebten Ananasblättern – kam ihr die Idee für Piñatex.
Herstellung des innovativen Materials
Um dieses Material herzustellen, werden lange Fasern aus Ananasblättern zunächst getrocknet. Anschliessend werden sie mit Hilfe eines Filzverfahrens zu einem dichten Grundmaterial namens «Piñafelt» verarbeitet.
Dieses ähnelt vom Gewicht her echtem Leder und kann je nach Bedarf weiter bearbeitet werden. Allerdings gibt es hier einen Haken:
Ohne Chemikalien, darunter Petroleoum-basierte Harze, geht es nicht. Diese können sowohl gesundheitliche Risiken bergen als auch negative Auswirkungen auf die Umwelt haben.
Nachhaltigkeit im Fokus? Nicht ganz
Trotzdem hat Piñatex einige Nachhaltigkeitsvorteile. Die Ananasblätter, die zur Herstellung verwendet werden, sind ein Nebenprodukt der Fruchtherstellung und benötigen daher keine zusätzlichen Ressourcen.
Darüber hinaus unterstützt das Material lokale Bauerngemeinschaften, da diese durch den Verkauf der Blätter ein zusätzliches Einkommen erzielen. Doch eine grosse Herausforderung für die alternative Lederindustrie bleibt weitherin der Einsatz von Kunststoffen.
Diese dienen der Verbesserung der Haltbarkeit oder dem Aufbringen spezieller Oberflächen auf Materialien. Auch bei Piñatex wird eine Schicht aus Polyurethan (PU) aufgetragen, was ebenfalls eine Art Plastik ist.
Piñatex – Ein Schritt in die richtige Richtung?
Obwohl es kein perfektes nachhaltiges Material gibt und jedes seine eigenen Kompromisse erfordert, stellt Piñatex einen wichtigen Fortschritt dar. Es bietet eine tierfreundliche Alternative zu Leder und könnte zukünftig noch nachhaltiger werden.
Viele Marken haben bereits begonnen, Piñatex in ihre Kollektionen zu integrieren – darunter Mashu, BEEN London und Svala sowie grössere Namen wie H&M und Paul Smith.
Obwohl diese Unternehmen sicherlich noch Raum für Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit haben, könnten sie in diesem Fall dennoch Vorbilder sein und dazu beitragen, dass sich umweltfreundliche Alternativen weiter verbreiten.